Bundesverbraucherhilfe fordert Effizienznachweise vor jeder Preiserhöhung und eine konsequente Digitalisierung der Briefzustellung.
Die Deutsche Post will das Porto für den Standardbrief zum 1. Januar 2027 von 95 Cent auf 1,15 Euro anheben. Das entspricht einer Erhöhung um rund 21 Prozent. Die Bundesnetzagentur hatte zuvor einen Erhöhungsspielraum von durchschnittlich 20,35 Prozent für Briefe in Aussicht gestellt; die neuen Preise stehen unter dem Vorbehalt ihrer Genehmigung und sollen zwei Jahre gelten. Der Präsident der Bundesverbraucherhilfe e. V., Ricardo Dietl, kritisiert die Pläne deutlich.
„Wer seine Kosten nicht in den Griff bekommt, darf sie nicht einfach an die Verbraucher durchreichen“, erklärt Ricardo Dietl. „Unternehmen, an denen der Staat beteiligt ist, müssen mit gutem Beispiel vorangehen: digitaler, effizienter und schlanker, statt sich von Preisrunde zu Preisrunde zu überschlagen.“
Sinkende Briefmengen sind kein Freibrief
Die Bundesverbraucherhilfe erkennt an, dass die Briefzustellung unter strukturellem Druck steht. Die Briefmenge in Deutschland ist von 16,9 Milliarden Sendungen im Jahr 2005 auf rund 9,4 Milliarden im Jahr 2025 gesunken, während die Pflicht zur flächendeckenden Versorgung bestehen bleibt. Daraus folgt nach Auffassung des Verbandes jedoch nicht, dass die Lösung in immer höheren Preisen liegt. Seit 2012 hat sich das Porto für den Standardbrief von 55 Cent auf künftig 1,15 Euro mehr als verdoppelt. Die von der Bundesnetzagentur eingeräumten Spielräume wurden in der Vergangenheit stets voll ausgeschöpft.
„Ein schrumpfender Markt verlangt nach einem Umbau des Geschäftsmodells, nicht nach einem Preisautomatismus“, so Dietl. „Wer die Kosten auf immer weniger Briefe verteilt, beschleunigt nur den Rückgang, den er beklagt.“
Belastung für Verbraucher, Vereine und Mittelstand
Betroffen sind nicht nur Privathaushalte. Gerade ältere Menschen ohne digitale Alternativen, ehrenamtlich geführte Vereine und kleine Betriebe sind weiterhin auf den klassischen Brief angewiesen – nicht zuletzt im Schriftverkehr mit Behörden, Gerichten und Versicherungen, für den vielfach noch Papierform verlangt wird. Für sie ist das Porto kein Wahlprodukt, sondern eine Pflichtausgabe.
Die Forderungen der Bundesverbraucherhilfe
- Effizienznachweis vor Preiserhöhung: Die Bundesnetzagentur soll Preiserhöhungen nur genehmigen, wenn das Unternehmen nachvollziehbar darlegt, welche Einsparungen durch Digitalisierung und Prozessoptimierung bereits erzielt wurden.
- Spielräume nicht automatisch ausschöpfen: Ein genehmigter Höchstrahmen ist eine Obergrenze, kein Zielwert. Die Deutsche Post sollte ihn deutlich unterschreiten.
- Digitalisierungsoffensive in der Zustellung: Automatisierte Sortierung, digitale Sendungsankündigung und rechtssichere digitale Zustellwege müssen Kosten senken und den Bedarf an Papierpost reduzieren.
- Digitale Behördenpost als Standard: Bund, Länder und Kommunen sollen ihren Schriftverkehr mit Bürgern und Unternehmen konsequent digital ermöglichen, damit niemand gezwungen ist, für Pflichtkorrespondenz immer höhere Portokosten zu tragen.
- Verantwortung des Bundes als Anteilseigner: Der Bund soll seine Beteiligung nutzen, um auf Effizienz, Digitalisierung und Preisstabilität hinzuwirken.
„Bürger und Unternehmen finanzieren diesen Staat und seine Beteiligungen. Sie haben Anspruch darauf, dass dort mit derselben Disziplin gewirtschaftet wird, die von jedem Haushalt und jedem Betrieb erwartet wird“, so Dietl abschließend.